Warum schaue ich mir einen Stream an?

Ein Artikel von Sascha

Wir hören und lesen es mittlerweile immer häufiger in unserem Alltag. Stream. Oder Streaming. Live-Streaming, Online-Streaming, Video-Streaming oder Bezahl-Streaming. Für mich als Laie heißt das eigentlich zunächst einmal nur: Auf dem Laptop oder Tablet ein Event anzuschauen. Und das Live. Als wäre man also dabei.
Hatte ich bis zu einem gewissen Tag auch noch nicht gemacht. Warum sollte die Internetübertragung einer Veranstaltung, die ich bisher nur persönlich vor Ort erlebt habe, mir zuhause auf der Couch, am Küchentisch oder im Bett eine adäquate Unterhaltung bieten? Zumal ich es im Vorfeld auch noch in Form eines digitalen Tickets bezahlen muss.

Also haderte ich mit mir. Soll ich das machen? Die Band, die ich mir eigentlich Live anschauen wollte, ist keine professionelle Künstlergruppe. Dies soll keine Bewertung der Qualität ihrer Darbietung sein, sondern kam mir einzig und allein beim Thema Online-Ticket und Bezahlvorgang in den Sinn. Eine heikle Sache für mich. Läuft das am Ende auch so ab, dass ich nach einem Bezahlvorgang wirklich zum angegebenen Preis auch ein Ticket erhalte, mit dem ich dann am Veranstaltungstag zur passenden Zeit auch wirklich das Event sehen kann? Ich kenn die Jungs ja ein bisschen. Ich wüsste nicht, dass einer von denen so fit in Sachen Computer ist, dass das irgendwie sicher ist. Vielleicht haben sie ja auch diese Ticketgeschichte einem Anbieter überlassen, der sich damit auskennt. Aber ist der auch seriös?

Ein kurzer Blick und ein paar Testklicks weiter, gelangte ich auf eine Streaming-Plattform. „Hmm. Ist ja recht übersichtlich.“ Leicht verständlich und überschaubar. Ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland. Sagar ganz in der Nähe. Nachdem ich mich über das Unternehmen informiert habe und einige Videos gesehen habe, war ich beruhigt. „Sind wohl doch seriös“. Das Bezahlsystem ist recht einfach. Es gibt sogar Anleitungsvideos für diesen Vorgang. Also sind diese Bedenken beiseite geräumt.

Nun der Preis. 10 Euro für drei Bands. Live hätte ich das vor Ort an der Kasse bezahlt. Aber jetzt, hier? Zuhause? Ich habe einige Tage zuvor eine 30 Millionen Dollar Hollywood Produktion über Amazon Prime gesehen. Dafür hatte ich 3,99 Euro bezahlt. 30 Millionen Dollar für 3,99. Und jetzt soll ich einen 10er zahlen? Wo ist da das gerechte Verhältnis. Ich schaute mir auf dieser Plattform ein paar Beiträge an. 20, 25, 36 Euro. Oha, ganz schön viel. Nicht eine geplante Veranstaltung auf dieser Plattform für 10 Euro. Alle sind wesentlich teurer. Doch warum ist das so? In einem Artikel wurde das ganz einfach erklärt. Den Hollywood Blockbuster, der 30 Millionen gekostet hat, muss diese erst einmal wieder einspielen. Da sie aber eine wesentliche höhere Reichweite an Abnehmern haben, also Kinofans, Filmstarfans oder Genrefans, können sie auch kleinere Preise verlangen, da Millionen von Menschen auf dieser Welt diesen Film sehen werden.
Diese kleine regionale Veranstaltung muss ihre Kosten, die zwar keine 30 Millionen sind, aber doch erstmal bezahlt werden müssen, also irgendwie reinkommen.

Was könnten das für Kosten sein? Vielleicht Genehmigungen, die Bands kosten natürlich auch was, das Filmteam das den Stream produziert. Die Plattform, das Ticket-Bezahlsystem. Mir fiel da schon eine ganze Menge an Dingen ein, die Kosten verursachen könnten. Da die Reichweite an Abnehmern, oder besser gesagt an Zuschauern, wesentlich kleiner ist, müssen sie also etwas höher mit dem Preis ansetzen, um auch alle Kosten abzudecken. Leuchtet ein. Und im Vergleich zu den anderen Streaming-Angeboten, ist der Preis ja noch recht gering. Gab es denn keine Möglichkeit den Stream umsonst zu machen? Bei Facebook machen das doch viele. Aber nach ein paar Beispielen wurde mir klar, dass viele Bands oder Veranstalter ihre Facebook-Streams aus dem heimischen Proberaum fertigen. Und diese Bands spielten meist allein und auch nur eine Kamera filmte das Konzert von einer zentralen Position aus. Jetzt schaute ich mir Beispiele auf der besagten Streaming-Plattform an. Tolle Kamerabilder, verschiedene Positionen, toller abgemischter Sound. Na gut. Inhaltlich kommt es eh auf die Musik an. Aber das Auge genießt auch mit, also wird mir klar, warum ich bereit bin einmalig eine Gebühr von 10 Euro für eine kleine Veranstaltung zu zahlen.

Aber …

Dann rief ich mir die letzte Veranstaltung, der ich beiwohnte, in den Sinn. Ach, war das schön gewesen. Ich hab die Musik gehört, mitgesungen, getrunken und gelacht. Das Ambiente war toll. Der Ort passte wirklich zur Musik und zog mich in seinen Bann. Hier konnte ich abschalten. Teilweise war die vorgetragene Musik auch nur Nebensache, weil man sich kurz mit anderen unterhalten hat oder Bekannte und Freunde getroffen hat, die man schon ewig nicht mehr gesehen hat. Toll war das. Das hat diese Veranstaltung immer wieder ausgemacht. Aber wenn ich es mir recht überlege, das fällt ja jetzt auch alles weg. Ich treffe keine Bekannten. Ich erlebe das Ambiente nicht. Vielleicht trinke ich ein Bier dabei. Und wenn ich lache, dann leider nur allein. Das ist nicht dasselbe.

Also warum sollte ich mir das antun?

Am nächsten Tag traf ich meine Eltern. Wir unterhielten uns bei einem Kaffee und irgendwie kamen wir auf diese Veranstaltung zu sprechen. Meine Mutter wollte diese Veranstaltung auch gerne sehen und fragte mich, wie das funktioniert und was Streaming eigentlich genau ist. „Das ist wie eine Liveübertragung im Fernsehen. Nur das es über das Internet läuft und man es sich auf dem Laptop oder Computer anschauen kann. Das kostet dann für dieses eine Konzert aber ungefähr 10 €. “ Nun erwartete ich eigentlich ein erschreckendes oder zumindest enttäuschtes „Ach so, na dann lieber nicht.“
Stattdessen sagten sie mir „Na prima. Da freun wir uns drauf! Können wir das nicht auch auf unserem Fernseher gucken? Da ist doch auch Internet drauf?“ Internet über den Fernseher … Da sind die beiden weiter als ich. Ich fragte sie, ob sie sicher seien. Ein Konzert im Fernseher anschauen? „Natürlich“- entgegneten sie mir. Das hätten sie früher ständig gemacht. Was waren das für tolle Abende, als sie Konzerte von Status Quo, RollingStones, Queen, ABBA oder andere große Rockbands über ihren Fernseher sahen. Man kam halt nicht so häufig in den Genuss die großen Bands Live zu sehen. Also schaute man sich Videos oder Übertragungen an.
Aber es fehlt die Atmosphäre. Das drumherum – entgegnete ich. Das kann doch nicht dasselbe sein.

„Das soll ja auch nicht das selbe sein.“ erklärte mir dann meine Mutter. Aber wir mögen Musik. Wir mögen die Gruppen. Und wir mögen es zuhause auf der Couch zu liegen und einfach unterhalten zu werden. Ich war noch nie Live bei einer Wetten dass ... Show oder in einem Fußballstadion. Trotzdem habe ich diese Sendungen schon mehrmals Live angesehen. Da hatte ich nie den Gedanken „Mir fehlt die Atmosphäre vor Ort. Das Ambiente. Das Drumherum. Nein. Das habe ich auch nie erwartet. Ich wollte einfach unterhalten werden.“

Ja. Es ist eigentlich einfach. Ich möchte auch unterhalten werden und habe dann für den Stream bezahlt. Ich wurde letztendlich unterhalten. Sehr sogar. Auch wenn es zuhause war und ich allein auf der Couch saß, war es doch ein Erlebnis. Erlebnis einfach deshalb, weil ich in den nächsten Tagen mit meinen Mitmenschen darüber gesprochen habe. Entweder habe ich es erzählt oder man hat sich ausgetauscht. Da es bei dieser Veranstaltung auch einen Chat gab, konnte man sich doch irgendwie mit anderen austauschen. Zwar nur schriftlich und zum Teil auch halbanonym, aber es waren offensichtlich auch noch andere da. Und was mir Tage später auffiel: Ich hab nicht ein einziges Mal mein Handy hochgehalten und ein Lied aufgenommen. Ich konnte es voll und ganz genießen.

2 Council beim Kulturbiergarten in GE-Buer

Vier Gentlemen auf der Bühne, die am liebsten über sich selbst lachen können. Nicht nur, weil sie Freude an der Musik haben die sie spielen, nein, an diesem Donnerstag geht es zum ersten Mal ins Königreich Buer, zum ersten Mal an einem Wochentag und zum ersten Mal darf man die großartigen Dublinskis supporten, denen man schon vor 23 Jahren in einem Pub in Gelsenkirchen zugejubelt hat.

 

Sven, Sascha, Carsten und Marco aka 2Council. 

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Streaming Erlebnis


Nun sind wir im zweiten Jahr, an dem das Osterfeuer aufgrund der aktuellen Pandemie nicht stattfinden darf. Im Jahr 2020 waren die Planungen bereits so weit fortgeschritten, dass eine Alternative aufgrund der kurzfristigen Absage, gar nicht mehr möglich war. Im Jahr 2021 sieht das ein wenig anders aus. Es hat sich ein Dreigestirn aufgetan. Der Blauweisse-Partywaggon, dei CouncilGroup und die Klanghelden haben für dieses Jahr eine passende Alternative gefunden. Weiterlesen...

2Council beim letzten Osterfeuer 2019 

 

 

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  • Kulturbiergarten in GE-Buer

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  • Läuft doch ...

    Die LokRock wird nach der "Grubenfahrt" am 21.09. die Winterpause antreten

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Dates

 - 03.04. Osterfeuer im Stream (bei Euch Zuhause)
 - 15.05. LokRock im Stream (bei Euch Zuhause)
 - 11.09. LokRock "Grubenfahrt" (Bahnwerk GE-Bismarck)
 - 26.08. Kulturbiergarten (GE-Buer)
 - 02.10. Wiedersehen macht Freude (Haus Lünhörster, GE-Schalke)

 

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